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Fünf Tage an der Ederpfütze oder „Was heißt eigentlich Waschbär auf Englisch?“

02.08.2011 | Bereich: Seminare

+++Bericht vom Abschlussseminar Edersee 2+++

 

Montag, 04.07.2011.

Ein beschwerlicher Weg liegt vor uns. Die Nordlichter steigen aus ihrem kuscheligen Bett, während die Südniedersachsen grade erst ihr eigenes Bett wiederfinden.
Auf geht’s ins weit entfernte Hessen.

 

Die Beantwortung der Frage „Wo ist eigentlich der See?“ wurde durch das Auftauchen von sieben verlassenen und verwirrten FSJlern am Straßenrand aufgeschoben, die verzweifelt darauf warteten, endlich von der Bushaltestelle abgeholt zu werden und so ins Camp aufgenommen zu werden.

 

Nach der ersten Grüppchenbildung, dem Bezug der Zimmer und dem Schock, dass Männlein und Weiblein vielleicht gemeinsam in einem großen Zimmer schlafen und auch noch dieselbe Dusche benutzen sollten, freuten sich alle darauf, dass das Camp seinem Namen alle Ehre machen würde, doch dann entdeckten wir die „EDERPFÜTZE“. Wie man in diesem Tümpel schwimmen oder irgendeine andere Art von Wassersport treiben sollte, war uns allen ein Rätsel, für das wir vorerst keine Lösung finden sollten.

Um trotz unterschiedlicher Herkunftsgruppen gemeinsam über das Verschwinden des Wassers trauern zu können, wurden wir durch Kooperationsspiele zusammen geschweißt. Dabei sind wir uns auch körperlich näher gekommen, Berührungsängste wurden sofort aus dem Weg geräumt.

Der Abend stand mit den Spielen Beachvolleyball, Fußball, Headis, Wikingerschach und Leitergolf im Zeichen des Sports.

 

Dienstag.

Zwei Todesmutige wagten sich mit Kevin (er behauptet steif und fest, es wären mindestens 10 Leute gewesen) und Lara zum Frühsport. Glücklicherweise sind alle wohlbehalten zurückgekehrt – allerdings war Kevin an den folgenden Tagen noch erfolgloser mit seinem Angebot.

 

Nächster beziehungsweise erster Punkt der Tagesordnung: Vereinsarbeit. Yaaay!
In neu gemixten Gruppen gründeten wir acht Vereine, die in den nächsten Tagen ihr Dasein an der Ederpfütze fristen durften. Gemäß der Aufgabenstellung gestalteten wir ein Leitbild und kämpften mit abwechslungsreichen Angeboten um Mitglieder. Vom Golfclub bis zum Alleskönner-Club war alles mit dabei. Jeder Verein erwählte zwei Abgesandte, die das Vereinskonzept am Abend einer überaus kritischen Jury präsentieren sollten.

Auch an diesem Tag sollten die gierigen FSJler ihren Durst nach Sport stillen können. Es stand „Trendsport“ auf dem Speiseplan. In einem spannenden Battle kämpften alle darum, nicht den Bericht schreiben zu müssen.

In der abendlichen Freizeit konnten wir zwischen Beachvolleyball, Entspannung an der Pfütze und passivem Fußballgenuss wählen.

 

Mittwoch.

Wie finanziert man einen FSJler? Mit dieser spannenden Frage durften wir unseren Vormittag verbringen und ließen unserer Kreativität freien Raum. Für viele schien RedBull als Sponsor eine attraktive Lösung zu sein.
Wieder wurden zwei Vertreter von jedem Verein auserwählt, um unsere phantasievollen und großzügigen Rechnungen der Jury zu präsentieren. Zu beneiden waren diese nicht, schließlich durften alle anderen weiter in der Sonne braten.

Am Nachmittag wurden wir wieder fröhlich durchgemischt und durften uns in kleinen Gruppen unsere FSJ – Projekte vorstellen. Die große Frage: Wer sollte die unglaubliche Ehre haben, sein Projekt am Abend der ganzen Gruppe vorstellen zu dürfen? Bei einigen Kleingruppen fiel die Entscheidung beim Losen.

Um unsere Vereinswertung etwas zu pushen, traten wir in kleinen Spielen gegeneinander an.
Verletzungen wurden schweigend hingenommen und die Suche nach Feuerholz wurde für manche zu einer Schlammschlacht.  Obwohl wir hart für unsere Vereine kämpften und Schmerzen in Kauf nahmen, konnten wir absolut nichts am niederschmetternden Urteil der Jury ändern, welches uns erst am Freitag mitgeteilt werden sollte.

Um uns von den Anstrengungen des Tages zu erholen, gestalteten wir die „Nachtaktion“ auf der anderen Seite der Straße selbst und obwohl wir alle anderen gegenüber grundsätzlich recht freundlich eingestellt sind, schafften wir es nicht, die einheimischen Waschbären in unser Grüppchen zu integrieren.
Nicht alle fanden nachts den Weg in ihr Bett.

 

Donnerstag.

Es wird Zeit, darüber nachzudenken, was wir eigentlich das ganze Jahr über gemacht haben. Was hat uns dieses Jahr gebracht und wie haben wir uns weiterentwickelt?

Es wird deutlich, dass die meisten von uns doch sehr positive Erfahrungen gemacht haben und dass wir unsere Einsatzstellen mit einem lachenden und einem weinenden Auge verließen.
Außerdem erfuhren wir endlich die ganze Wahrheit über unsere Kollegen. Obwohl sie uns bei den Seminaren immer so freundlich gegenüber getreten sind, wurde uns nun offenbart, dass sie sich selbst zwar total o.k finden, andere in ihren Augen aber ganz und gar nicht o.k sind. Diese furchtbaren +/- - Menschen …

Nachdem wir auch diesen Schock überstanden hatten, drückten uns die Referenten ein paar bunte Bilder in die Hand, die wir bei einer Rallye suchen und dazu Fragen beantworten sollten. Die ersten Schwierigkeiten traten schon bei der ersten Weggabelung auf und ein paar clevere FSJler interpretierten den steileren Anstieg als Herausforderung und wollten ihre Sportlichkeit unter Beweis stellen. Nachdem sie völlig verwirrt eine Weile umherirrten, blutrünstigen Zecken gegenübertreten mussten und ihre Motivation sich irgendwo auf der Hälfte des Weges verabschiedet hatte, fanden sie sich doch auf dem richtigen Weg und erreichten das rettende Camp tatsächlich irgendwie als Erste.

Während das Abendessen auf dem Grill brutzelte, wuchs in uns der Verdacht, dass die Referenten uns mit dem leckeren Essen nur müde machen wollten, um bei „Schlag den Referenten“ überhaupt eine Chance gegen das starke Team der FSJler zu haben. Der erste Sieg des Abends ging beim Beachvolleyball an die FSJler, die die Referenten regelrecht vorführten und beide Sätze überragend gewannen.
Doch schon beim nächsten Spiel, dem „Googletreffer“, wurde es knapp. Beide Teams ließen sich interessante Wörter wie den „Hausmilchmann“ oder die „Homoecke“ einfallen („Homozopf“ hätte übrigens nur einen einzigen Treffer gegeben, Kevin) einfallen und fairerweise hätte man beiden Mannschaften Punkte geben müssen, allein wegen des Unterhaltungsfaktors für das Publikum.
Die Punkte für den „Staffellauf à la David“ gingen leider an das Referententeam, allerdings muss hier der Kampfgeist unseres Teams erwähnt werden. Trotz mehrerer Stürze und gerissener Schnürsenkel gaben unsere Kameraden alles und nur wegen dieser Verkettung unglücklicher Zufälle hatten die Referenten überhaupt eine Chance.
Beim nächsten Spiel, dem „Schwindel – 11 – Meter“ wurden nach einem spannenden Duell die Punkte aufgeteilt, da man das Spiel sonst noch endlos hätte fortführen können.

Nachdem die FSJler auch beim Headis eine hervorragende Leistung gezeigt haben, ging es beim Wikingerschach auf dem Beachvolleyballfeld weiter. Bei schwächer werdendem Licht wurde die Stimmung immer besser und die Spannung war kaum auszuhalten.
Nachdem sich das Spiel immer weiter in die Länge zog und alles auf ein Unentschieden hindeutete, wurde der entscheidende Treffer erzielt und damit der Sieg für die FSJler besiegelt.
Der Gesamtsieg lag somit noch im Bereich des Möglichen, auch wenn als nächstes „The Wall“ auf dem Plan stand. Obwohl die FSJler mit vollem Einsatz um den Sieg kämpften und einige sogar fiese Wunden davon trugen, hatten wir keine Chance gegen das eingespielte Team der Referenten. Aus Angst vor einer Niederlage hatten diese am Nachmittag, während wir uns bei der Rallye abmühten, noch geübt, sonst hätten sie selbstverständlich nicht gewinnen können.
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurde das letzte Spiel, bei dem wir ganz sicher gewonnen hätten, abgesagt. Somit hatten die Referenten den Gesamtsieg errungen.
Das Lagerfeuer rundete den Abend ab und so mancher nutzte die Möglichkeit, seine Stockbrotzubereitungstechnik zu perfektionieren. Nicht alle waren dabei erfolgreich und auch an diesem Abend wurden auf dem Weg ins Bett Umwege gemacht.

 

Freitag.
Der Vormittag stand im Zeichen des Abschieds. Nachdem die eigenen Zimmer ausgeräumt und geputzt waren, traten wir an, um unsere „Strafe“ vom Vorabend abzuarbeiten, wie es sich für gute Verlierer gehört. Nach nur zehn Minuten ist das Gewinner – Zimmer ausgeräumt und fusselfrei gefegt. Starke Leistung.

Die letzten Minuten des Seminars wurden eingeleitet und am Ende des Seminars fanden auch die letzten endlich ihren besten Freund. Die neu entstandenen Vereine bekamen am Ende, was sie verdienten und ein Gruppenfoto, das nicht annähernd die tolle Stimmung des Seminars widerspiegelt, wurde geschossen.

Für alle hieß es nun Abschied nehmen, auch wenn man sich versprach, dass man sich auf alle Fälle wiedersehen würde.

Eine tolle Woche lag hinter uns, die das Freiwillige Soziale Jahr wunderbar abrundete und uns wieder einmal die Gelegenheit gab, neue Leute kennenzulernen und enger mit denen zusammenzuwachsen, die wir aus vorherigen Seminaren schon kannten.

Schön war's.

 

(Zum Abschluss noch die Erklärung dafür, dass der See nicht da war, wo er sein sollte: http://reisen.t-online.de/edersee-atlantis-versunkene-schaetze-tauchen-auf/id_19972454/index )

 

Ein Bericht von Jana und Johanna